KursarbeitEigentlich fing meine Zeit in der Deutschen SchülerAkademie (kurz: DSA) schon im Februar 2018 an, als Frau Grab, meine damalige Geographielehrerin, mich auf das Angebot für interessierte und wissbegierige Schüler aufmerksam machte. Sofort fingen bei uns zuhause die ersten Recherchen an und die DSA wurde schnell zu einem Thema beim gemeinsamen Abendessen. Auch ich fing an, im Internet mehr Informationen zu suchen und mir Erfahrungsberichte durchzulesen, sodass ich schnell überzeugt war und für mich feststand: „Ich will da hin!“

Die DSA ist ein Projekt der Gesellschaft Bildung und Begabung und findet jeden Sommer unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz und des Bundespräsidenten statt. In sieben Akademien kommen jeweils hundert Schüler aus ganz Deutschland für 16 Tage zusammen, um in circa sechs Kursen pro Akademie gemeinsam an Themen aus den Bereichen der Natur-, Sprach-, und Gesellschaftswissenschaften sowie der Kunst zu arbeiten.

Nachdem ein Empfehlungsschreiben von Frau Grab und Herrn Muhler verfasst wurde, konnte ich mir im Internet aus der Vielzahl von über 50 Kursen fünf aussuchen, die mich besonders ansprachen.
Die Aufregung wuchs stetig, bis ich die erfreuliche Nachricht erhielt, dass ich trotz einer Aufnahmequote von lediglich 45%, sogar an dem Erstwunsch-Kurs teilnehmen durfte.

Kurs Grundung eines neuen Staates in EuropaIch war nun im Kurs „Ein neuer Staat in Europa“, dessen Ziel es war, eine Verfassung für den fiktiven Staat Torgelownien zu schreiben. Jeder der 15 Teilnehmer bekam bereits vor der Anreise ein Thema zum Verfassungsrecht, dass er aus Literaturquellen, in Form eines Referats vorbereiten sollte. Einige Wochen vor der Anreise wurde uns das jeweilige Thema zugesandt. Meine Aufgabe war es nun, aus juristischer Fachliteratur Informationen zum Thema „Woraus folgt das Recht zur Verfassungsgebung?“ herauszusuchen und in einer Präsentation zusammenzufassen.

Am 02. August ging es dann los. Nach einer mehrstündigen Bahnfahrt über Berlin, kam ich in Waren (Müritz), einem Städtchen in Mecklenburg-Vorpommern, an. Von dort wurden wir mit einem Bus zum Schloss Torgelow am Torgelower See gebracht. Das Schloss beherbergt das Internatsgymnasium Schloss Torgelow. Während der Ferien wird es der DSA zur Verfügung gestellt.

Sofort waren alle von der tollen Atmosphäre auf dem Gelände begeistert. Da die hundert Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren aus allen Regionen Deutschlands kamen, kannte sich noch keiner. Jeder wollte sofort neue Kontakte knüpfen und mit den anderen ins Gespräch kommen. Sicherlich die erste Person, die man kennengelernt hat, war der Zimmermitbewohner. Wir wurden jeweils zu zweit in die Zimmer des Internats eingeteilt.

Schloss TorgelowAb dann liefen alle Tage recht ähnlich ab. Nach dem Frühstück folgten zwei Kursblöcke von jeweils 1:45 h, in denen wir im Kurs viel diskutierten und von der Staatsform bis zu der Gewaltenteilung in unserem Staat alles selber festlegen konnten. Die Freizeit zwischen Mittagessen und nächster Kurseinheit wurde vor allem durch die sogenannten KüAs (Kursübergreifende Angebote) dominiert. Von einem Schachturnier, über das erlernen der Gebärdensprache bis zum gemeinsamen Kanufahren auf dem See, war hier fast alles geboten und sicherlich für jeden etwas dabei. Es lag nur an uns. Jeder versuchte seine besonderen Kenntnisse an andere weiterzugeben: Wer Spanisch konnte, bot einen Spanischkurs an und wer gerne las, einen Lesekreis. Ein weiteres Highlight der Mittagspause war der Chor. Jede Schülerakademie wird nämlich auch von einem professionellen Musiker begleitet, der den Chor und andere musikalische Gruppen betreut. In unserem Fall war dieser Musiker Árpád Toth aus Budapest. Durch seinen Enthusiasmus konnte er jeden begeistern, sein musikalisches Talent zu nutzen, sodass sich schnell ein Orchester und sogar eine Operngruppe zusammenschloss.

Nach dem Kuchen ging es dann weiter mit einer gut zweistündigen Kursphase, die mit dem Abendessen abschloss. Nun folgte die zweite Zeit für KüAs, die sich teilweise bis tief in die Nacht zogen. So gab es um 0:30 Uhr noch den sozialistischen Lesekreis, der sich mit den Werken Marxs befasste oder noch ein spontanes Volleyballturnier um 2:00 Uhr. Für die meisten aber endete jeder anstrengende Tag schon vor Mitternacht, nach einem Schachspiel.

Doch eine DSA ohne einige besondere Tage oder Ereignisse wäre auch nur halb so schön. So gab es bereits am fünften Tag den Exkursionstag. Insgesamt fünf Ziele standen zur Auswahl, vom Kanufahren bis zu einem Besuch bei einem Imker, war sicherlich für jeden etwas dabei. Für mich ging es an diesem Tag in die wunderschöne Hansestadt Rostock, die wir bei einer Führung besser kennenlernen durften. Anschließend fuhren wir noch nach Warnemünde, wo wir am Strand die Sonne und die Ostsee genießen konnten.

Kursarbeit 3Ein weiterer besonderer Tag war die sogenannte Rotation. Jeweils in Zweierteams bereitete man eine Präsentation vor, die den anderen Akademieteilnehmern kurz zeigen sollte, womit man sich in dem jeweiligen Kurs beschäftigt hat. Aus jedem der sechs Kurse wurden die Zweiergrüppchen gemischt, sodass man jeweils zehn anderen Teilnehmern die Tätigkeit des Kurses vorstellte und im Gegenzug erfuhr, was in den anderen Kursen geschieht.

Am letzten Abend kam dann das musikalische Highlight. Nachdem der Chor, das Orchester und die Operngruppe über zwei Wochen lang geprobt hatten, bekamen sie nun die Möglichkeit ihr Können unter Beweis zu stellen. So stand am Ende auch ich, der im Chor eher aus Freude an der Musik als aus Begabung mitwirkte, in einer Kirche in Waren (Müritz) vor einem zahlreichen Publikum, das aus allen Akademieteilnehmern und externen Gästen bestand.

Doch auch im Kurs wurde das lang ersehnte Ziel nach 16 Tagen erreicht. In einer 12-seitige Verfassung mit knapp 60 Artikeln von der Präambel, über das Wahlrecht, die Möglichkeiten eines Volksentscheids, der Judikative, bis zur Definition der Legislativen, haben wir fast alle wichtigen Regeln festgelegt, die für eine Demokratie von Nöten sind. Der krönende Abschluss war die Ausrufung der Republik Torgelownien vom Schlossbalkon und das Singen der Hymne gemeinsam mit allen Akademieteilnehmern.

Insgesamt kann ich mit Sicherheit behaupten, dass mich die DSA weitergebracht hat und das in ganz verschiedenen Aspekten. Neben dem erlernten Wissen über das Staats- und Verfassungsrecht, hat sie auch meine Persönlichkeit weiter geformt. Es war eine einmalige Erfahrung, so viele interessierte junge Menschen zu treffen und die Diskussionen, die im Kurs entstanden, auch beim Mittagessen und bis tief in die Nacht weiterzuführen. So floss beim Abschied auch die ein oder andere Träne, da wir uns, obwohl wir uns vor 16 Tagen noch gar nicht gekannt hatten, nun eine Gemeinschaft nennen konnten. Zum Glück winkt in einiger Zeit das Nachtreffen, wo wir uns alle wiedersehen und gemeinsam an die unvergessliche Zeit zurückerinnern werden: Die DSA 2018-7 Torgelow