BioCovidDer Online-Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie aber auch Biologie ist eine Herausforderung. 

Zum einen ist er Fachsprachenunterricht, und da das Lernen der Schülerinnen und Schüler vor allem auf digitalisierte Lernunterlagen basiert, fehlt ihnen das „Sprachbad“ der regulären Unterrichtsstunde. Das bedeutet, dass die Schülerschaft für bearbeitete Aufgaben, deren Lösungen an die Lehrkraft geschickt wurden, individuelle, sehr ausführliche, in Fachsprache gehaltene Feedbacks bekommen muss – nur so kann es Fortschritt geben. (Bezüglich der Tippgeschwindigkeit bei uns Lehrern ist eine signifikante positive Beschleunigung zu beobachten) 

An dieser Stelle sei der Einführung von TEAMS gedankt, mit Hilfe der Videokonferenzen können die Jugendlichen wieder das Fachsprachbad „genießen“ und noch direkter Feedback erhalten.  Die Teams-Sitzungen bedeuteten für die Schülerinnen und Schüler allerdings auch, dass der Schultag wieder ein wenig strukturierter wurde und die Arbeitsrhythmen sich wieder etwas normalisierten (z.T. bekamen wir von Schülern E-Mails um 3:05 Uhr früh …).

Zum anderen ist der naturwissenschaftliche Unterricht praktisch orientiert, das Experiment steht meist im Zentrum. Daher haben einige Schülerinnen und Schüler die heimische Küche zu einem Labor umfunktioniert und hier chemische und biologische Sachverhalte in Experimenten mit Lebensmitteln und Haushaltschemikalien beobachtet. Auch wurden sie motiviert, raus in die Natur zu gehen und dort z.B. mit Bestimmungs-Apps Pflanzen und Tiere kennenzulernen. Es gibt natürlich auch virtuelle Chemielabore, in denen Versuche nachvollzogen werden können. Auch Erklärvideos stehen zur Verfügung, oft besteht allerdings das Problem, dass sie nicht passgenau für das Konzept des Lehrers sind. Da hilft nur: selbst machen.

Grundsätzlich kann man sagen, dass sicherlich alle Seiten von der erzwungenen Digitalisierungsoffensive profitieren, und, dass das bis Februar 2020 oft stiefmütterlich behandelte MEBIS mittlerweile als phantastische Austauschplattform mit vielfältigen Möglichkeiten geschätzt und genutzt wird – so stark, dass MEBIS oft die Belastungsgrenze erreichte.

Der Präsenzunterricht hat aber auch einen sehr wichtigen Stellenwert und die ganze Schulfamilie ist froh, wenn sich wieder etwas mehr Normalität einstellt – der Digitalisierungsfortschritt wird dennoch erhalten bleiben und im Schulalltag fest verankert bleiben.

Der Lockdown bedeutete auch, dass leider viele externe Highlights im Rahmen des Biologie- und Chemieunterrichts nicht stattfinden konnten, so wurde zum Beispiel der Schülerinfotag an der chemischen Fakultät der LMU München ersatzlos abgesagt und wir konnten nicht die Fachmesse Analytica 2020 besuchen, da sie in den Herbst verlegt wurde. Das sexualpädagogische Projekt von proFamilia für die 7. Jahrgangsstufe musste ebenso ersatzlos gestrichen werden.