Dachau Bild 2018Die Dachau-Fahrt der 9. Klassen Ende November ist eine wichtige, wenn auch bedrückende Erfahrung. Bei Temperaturen von minus zwei Grad versuchen wir nachzuvollziehen, wie das Leben als Häftling in einem Arbeitslager war. Durch das Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“, nur einer der wenigen Euphemismen der Nazis, betreten wir den Appellplatz, welcher uns nur erahnen lässt, was für grausame Dinge hier geschahen.

1933 wurden die ersten männlichen Häftlinge in das KZ-Dachau gebracht.  Dort mussten sie unabhängig von Wetter und Gesundheit in dünner Häftlingskleidung schwere körperliche Arbeit verrichten. Ein Alltag, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang von brutalen SS-Soldaten regiert wurde. Jeder noch so kleine Verstoß wurde hart bestraft. Eine beliebte, jedoch sehr grausame Form der Bestrafung war das „Pfahlhängen“. Hierbei wurden die Häftlinge mit den Armen hinter dem Rücken an Bäumen aufgehängt. Heute über die Lagerstraße zu laufen und diese Bäume zu sehen, verschlägt einem die Sprache. Die gebaute Baracke zu betreten, in der bis zu 1600 Häftlinge auf engsten Raum zusammen lebten, bringt leider keine Erleichterung. Aufgrund dieser Lebensumstände verbreiteten sich Krankheiten wie zum Beispiel Typhus sehr schnell. Sobald Häftlinge arbeitsunfähig wurden und damit keinen Nutzen mehr für das Konzentrationslager hatten, wurden sie nach Linz gebracht, um „Erholungsurlaub“ zu machen, ein weiterer Euphemismus der Nationalsozialisten. Dort fanden sie dann ihr Ende in einer Gaskammer, die als Brausebad getarnt war. Diejenigen, die durch Unterernährung, Erschöpfung oder Exekution getötet worden sind, brachte man ab 1940 in das Krematorium, wo man sie verbrannte. Auch diese Arbeit musste von den KZ-Häftlingen selbst verrichtet werden. Am Ende des Zweiten Weltkriegs gab es so viele Leichen, dass man diese wie Feuerholz vor dem Krematorium stapelte. Eine Menschenverachtung, die man nicht im Geringsten nachvollziehen kann. Vor den Öfen zu stehen und sich vorzustellen, dass dort Häftlinge teilweise die Leichen ihrer Freunde verbrennen mussten, ist schrecklich. Doch auch wenn man das eigentliche Krematorium verlässt, läuft man auf der dort vergrabenen Asche der Verbrannten. Es ist unvorstellbar zu verstehen, wie Menschen in der Lage sein können, anderen Menschen so etwas Grausames anzutun.

Wir können nach drei Stunden diesen Ort, der an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte erinnert, wieder verlassen. Diese Freiheit besaßen die Häftlinge damals, egal wie hart sie arbeiteten, nicht. Wir gehen durch das Eingangstor und sind frei, jedoch begleitet jeden von uns die eine Frage, ob wir an dem, was vor 83 Jahren in Dachau begann, Schuld tragen. Wir tragen keine Schuld, aber die Verantwortung aufzuklären und zu verhindern, dass sich solcher Terror wiederholt.