Wr LilienAm 13.12.2019 fand am Jakob-Fugger-Gymnasium ein Vortrag über die aktuelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank für die Wirtschaftskurse der 12. Klassen von Herrn Horn statt. Der Referent, Sven Lilienthal, ist Bundesbankdirektor und eigens aus München angereist, um uns über dieses Thema praxisnahe Informationen zu bieten, die über den Stoff des Unterrichts hinausreichen. Herr Lilienthal begann seinen Vortrag mit der Klarstellung des Unterschiedes zwischen Bundesbank und Europäischer Zentralbank, kurz EZB, welcher in den Medien oft nicht ausreichend beachtet wird. Die Deutsche Bundesbank ist eine nationale Notenbank und somit ein Teil des europäischen Zentralbanksystems. Sie wirkt also bei den Zielen dieses Systems mit, ist aber dem Kopf, also der EZB, untergeordnet. Als Nächstes behandelte Herr Lilienthal die Frage, wonach sich die Geldpolitik allgemein ausrichtet. Im Unterricht haben wir die im Zuge dieser Frage genannte Zwei-Säulen-Strategie der EZB bereits behandelt, welche besagt, dass sich die Analyse der Inflationsentwicklung in die wirtschaftliche und die monetäre Analyse aufteilt. So wirken sich realwirtschaftliche Größen, wie die Lohnentwicklung oder die Ölpreise kurzfristig auf die Inflation aus, während die Entwicklung der Geldmenge eher einen langfristigen Zusammenhang mit der Preisniveauentwicklung aufweist. In den Worten des Referenten kann man insgesamt folgern: "Der EZB-Rat macht Geldpolitik anhand der eigenen Prognosen". Diese Institution hat durch die Vielzahl an Staaten mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Situationen auch zu jeder Zeit eine weitaus schwierigere Aufgabe als etwa die Bundesbank. Ein weiteres Thema, dass beim Thema Geld selbstverständlich nicht fehlen durfte waren Inflation und Deflation. So betrachteten wir zum Beispiel die aktuellen Inflationswerte und -prognosen, sowie die Gefahren der Deflation. Letztere sind primär, dass die Haushalte bei einem sinkenden Preisniveau ihr Geld sparen, statt es auszugeben, da sie hoffen, dass die Preise für die benötigten Güter am nächsten Tag weiter sinken. Es kommt so zu einer Deflationsspirale, aus der es ein Staat ohne fremde Hilfe nur in den wenigsten Fällen herausschafft. Auch das Problem der indirekten Staatsfinanzierung durch die Europäische Zentralbank mit Hilfe des Kaufes von Staatsanleihen auf dem Kapitalmarkt wurde behandelt. Der steigende Preis durch eine hohe Nachfrage führt zu niedrigeren Renditen, wodurch die Attraktivität von Staatsanleihen für Investoren gesenkt wird und die Finanzierungskosten der Staaten sinken. Durch Sogeffekte sinken auch andere längerfristige Zinsen, z.B. Kreditzinsen, und geben damit Anreize für höheren Konsum und Investitionen. Um zusätzlich zu unterstreichen, dass nicht das Eurosystem, sondern der Europäische Sicherheitsmechanismus (ESM) für die Bereitstellung von Geldern für kurzfristig in Finanzierungsschwierigkeiten geratene Staaten zuständig ist, beendete Sven Lilienthal seinen Vortrag mit einem Zitat des ehemaligen Chefs der Europäischen Zentralbank Mario Draghi: "Wir werden alles tun, um den Euro zu erhalten, und glauben sie mir, es wird genug sein". Der Vortrag zu diesem interessanten und alltagsnahen Thema war, nicht zuletzt durch die abwechslungsreiche Vortragsweise des Referenten, sehr ansprechend und ist dementsprechend ohne Zweifel weiterzuempfehlen. Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Herrn Lilienthal für seinen Vortag an unserer Schule danken.